Es ist ein Bild, das viele von uns kennen und lieben: Die Katze sitzt versonnen im Garten oder auf dem Balkon und kaut genüsslich an einem Grashalm. Für einen Moment wirkt sie wie eine Miniatur-Kuh auf der Weide. Doch schnell kommt die Frage auf: Warum tut sie das? Als fürsorgliche Katzeneltern wollen wir dieses Verhalten verstehen, denn es ist ein Teil unserer tiefen Verbindung zu unseren Tieren, ihre Bedürfnisse zu kennen und verantwortungsvoll darauf einzugehen.
Die gute Nachricht vorweg: Das Fressen von Gras ist für Katzen ein völlig normales und instinktives Verhalten. Es ist kein Grund zur Sorge, sondern ein faszinierender Einblick in die Natur unserer Samtpfoten. Lassen Sie uns gemeinsam entdecken, welche schlauen Gründe hinter diesem urzeitlichen Verhalten stecken.
Ein tief verwurzelter Instinkt: Die Hauptgründe für das Grasfressen
Hinter dem scheinbar einfachen Knabbern verbergen sich mehrere clevere Strategien, die Katzen seit jeher für ihre Gesundheit nutzen.
Die Evolutionstheorie: Ein Erbe der Vorfahren
Wissenschaftler glauben, dass das Grasfressen ein evolutionäres Erbe ist. Für die Vorfahren unserer Hauskatzen war es eine Methode, Darmparasiten auszuscheiden. Die unverdaulichen Fasern im Gras regen die Darmbewegung an und helfen so, unerwünschte Mitbewohner mechanisch aus dem Körper zu transportieren. Auch wenn unsere gut versorgten Katzen heute selten unter Parasiten leiden, ist dieser Instinkt tief in ihnen verankert.
Praktische Verdauungshilfe: Der Kampf gegen Haarballen
Der wohl bekannteste Grund ist die Hilfe bei der Verdauung – insbesondere beim Umgang mit Haarballen, auch Trichobezoare genannt. Katzen sind extrem reinliche Tiere und verbringen einen großen Teil ihres Tages mit der Fellpflege. Dabei verschlucken sie unweigerlich lose Haare.
Diese Haare können sich im Magen zu festen Knäueln verbinden. Während kleine Mengen meist unproblematisch den Darm passieren, können größere Haarballen zu Verstopfung oder im schlimmsten Fall sogar zu einem gefährlichen Darmverschluss führen. Hier kommt das Gras ins Spiel: Es wirkt wie ein natürliches Brechmittel. Die Fasern reizen die Magenschleimhaut, lösen einen Würgereiz aus und helfen der Katze, den Haarballen zu erbrechen, bevor er Probleme verursachen kann.
Ein Plus an Nährstoffen: Folsäure und Ballaststoffe
Gras ist mehr als nur ein Brechmittel. Es liefert auch wertvolle Nährstoffe.
- Folsäure: Dieses B-Vitamin ist wichtig für die Produktion von Hämoglobin in den roten Blutkörperchen, das den Sauerstoff im Körper transportiert. Da Folsäure in Fleisch kaum vorkommt, decken Katzen diesen Bedarf instinktiv über das Kauen von Gras.
- Ballaststoffe: Die Fasern im Gras können auch die allgemeine Darmfunktion und eine gesunde Darmflora unterstützen.
Die nachhaltige und sichere Lösung für Wohnungskatzen: Katzengras
Während Freigänger sich einfach im Garten bedienen, sind Wohnungskatzen auf unsere Hilfe angewiesen. Aus reiner Not könnten sie sonst anfangen, an Zimmerpflanzen zu knabbern, was gefährlich sein kann, da viele für sie giftig sind, wie zum Beispiel Lilien, Efeu oder Alpenveilchen.
Deiner Katze eine sichere Alternative anzubieten, ist ein Akt der Verantwortung. Hier ist Katzengras die ideale Lösung.

Die richtige Sorte wählen: Weich und sicher statt scharfkantig
Nicht jedes Gras ist gleich. Im Handel wird oft Zyperngras verkauft, dessen Halme jedoch scharfkantig sein und zu Schnittverletzungen im Maul oder Rachen führen können. Eine bessere und sicherere Wahl sind weiche Getreidesorten wie Weizen, Gerste oder Hafer. Diese jungen Triebe sind zart und minimieren das Verletzungsrisiko.
DIY-Katzengras: Gut für Ihre Katze, gut für den Planeten
Eine wunderbare Möglichkeit, Ihrer Katze etwas Gutes zu tun und gleichzeitig nachhaltig zu handeln, ist das eigene Anpflanzen von Katzengras.
- Material: Du benötigst lediglich ein geeignetes Gefäß (z. B. einen alten Blumentopf oder eine Schale), unbehandelte Bio-Erde und Bio-Getreidesamen (Weizen oder Gerste findest du im Drogerie- oder Biomarkt).
- Vorbereitung: Weiche die Samen für ein paar Stunden in Wasser ein, um die Keimung zu beschleunigen.
- Aussaat: Fülle das Gefäß mit Erde, verteile die Samen darauf und bedecke sie mit einer dünnen Erdschicht (ca. 2 cm).
- Pflege: Stelle den Topf an einen hellen Ort ohne direkte Sonneneinstrahlung und halten Sie die Erde in den ersten Tagen feucht.
Innerhalb weniger Tage sprießt frisches, gesundes Grün für deine Katze. So sparst du nicht nur Geld und Plastikmüll, sondern stellst auch sicher, dass das Gras frei von Pestiziden und Schadstoffen ist.
Ein kritischer Blick: Wann Grasfressen zum Risiko wird
Obwohl es ein natürliches Verhalten ist, gibt es Situationen, in denen Vorsicht geboten ist. Eine Fachtierärztin merkt an, dass Katzengras nicht zwingend notwendig ist und Risiken bergen kann.
- Schadstoffe: Gras am Wegesrand oder auf behandelten Rasenflächen kann mit Pestiziden oder Düngemitteln belastet sein.
- Verletzungen: Wie erwähnt, können harte, scharfkantige Gräser die Schleimhäute verletzen oder im Hals stecken bleiben.
- Zwanghaftes Fressen: Frisst deine Katze exzessiv Gras und erbricht sehr häufig, könnte dies auf eine Magenverstimmung oder eine Gastritis hindeuten. In diesem Fall ist ein Besuch beim Tierarzt ratsam.
Sanfte Alternativen: Wenn Katzengras keine Option ist
Nicht jede Katze mag Gras, und nicht jeder Besitzer möchte Erbrochenes aufwischen. Glücklicherweise gibt es sanfte und ebenso effektive Alternativen.
Regelmäßige Fellpflege: Die liebevolle Vorsorge
Die beste Methode, um die Bildung von Haarballen zu reduzieren, ist, die losen Haare zu entfernen, bevor sie verschluckt werden. Tägliches Bürsten, besonders während des Fellwechsels, ist nicht nur eine effektive Gesundheitsvorsorge, sondern stärkt auch die emotionale Bindung zwischen Ihnen und Ihrer Katze.
Malzpaste & Spezialfutter: Unterstützung von innen
Malzpaste ist eine hervorragende Alternative. Sie umhüllt die verschluckten Haare im Magen und fördert deren natürlichen und sanften Abgang über den Darm – ganz ohne Erbrechen. Auch spezielles "Anti-Hairball"-Futter mit einem höheren Faseranteil kann die Verdauung unterstützen und den Weitertransport der Haare erleichtern. Die Investition in solche hochwertigen Produkte ist eine Investition in das langfristige Wohlbefinden Ihres geliebten Tieres.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Warum fressen Katzen Gras
- Muss meine Katze nach dem Fressen von Gras immer erbrechen? Nein, nicht unbedingt. Das Erbrechen ist eine häufige, aber nicht zwingende Folge. Manchmal dient das Kauen nur der Aufnahme von Folsäure oder die Fasern passieren den Darm, um die Verdauung zu unterstützen.
- Ist Zyperngras als Katzengras geeignet? Nur mit Vorsicht. Viele Arten haben scharfkantige Halme, die Verletzungen verursachen können. Sicherere Alternativen sind weiche Getreidesorten wie Weizen, Gerste oder Hafer.
- Was sind sanfte Alternativen, wenn ich nicht möchte, dass meine Katze erbricht? Die effektivsten Alternativen sind tägliches Bürsten zur Entfernung loser Haare und die Gabe von Malzpaste. Die Paste hilft, verschluckte Haare auf natürlichem Weg durch den Darm auszuscheiden.
- Meine Katze frisst Gras und erbricht Blut. Was soll ich tun? Suche sofort einen Tierarzt auf. Dies kann auf eine Reizung oder kleine Verletzung durch scharfes Gras hindeuten, aber auch ein Symptom für eine ernstere Erkrankung sein. Sicherheit geht hier immer vor.
Zusammenfassung
Das Fressen von Gras ist ein tief verwurzelter Instinkt bei Katzen, der von der Parasitenabwehr bis zur Verdauungshilfe bei Haarballen reicht. Für Wohnungskatzen ist das Anbieten von sicherem, weichem Katzengras – idealerweise nachhaltig selbst angebaut – eine verantwortungsvolle Entscheidung. Wenn Sie oder Ihre Katze eine sanftere Methode bevorzugen, sind tägliche Fellpflege und Malzpaste liebevolle und wirksame Alternativen.